Ein Gläubiger hat Insolvenzantrag gestellt: Was jetzt?
Wann der Antrag eines Gläubigers zulässig ist, was das Gericht prüft, warum Sie angehört werden, was die Zahlung der Forderung bewirkt und warum ein eigener Antrag oft der bessere Weg ist.
- Ein Gläubiger kann Insolvenzantrag stellen, wenn er ein rechtliches Interesse hat und seine Forderung und den Eröffnungsgrund glaubhaft macht.
- Das Gericht muss Sie anhören. Diese Gelegenheit sollten Sie nutzen.
- Zahlen Sie die Forderung, wird der Antrag dadurch nicht ohne Weiteres unzulässig.
- Privatpersonen und Selbstständige sollten einen eigenen Antrag mit Antrag auf Restschuldbefreiung stellen. Dafür gibt es eine Frist.
- Für Geschäftsleiter ersetzt der Gläubigerantrag die eigene Antragspflicht nicht.
1.Wann ist ein Gläubigerantrag zulässig?
Ein Brief vom Insolvenzgericht, in dem steht, dass ein Gläubiger die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über Ihr Vermögen beantragt hat, ist ein Schreck. Häufig kommt er vom Finanzamt oder von einer Krankenkasse. Atmen Sie durch: Der Antrag ist noch keine Eröffnung, und Sie haben Rechte in diesem Verfahren.
Der Antrag eines Gläubigers ist zulässig, wenn der Gläubiger ein rechtliches Interesse an der Eröffnung hat und seine Forderung und den Eröffnungsgrund glaubhaft macht.1 Eröffnungsgrund ist vor allem die Zahlungsunfähigkeit, die in der Regel anzunehmen ist, wenn Zahlungen eingestellt wurden.2 Glaubhaft machen heißt: Der Gläubiger muss Belege vorlegen, die es überwiegend wahrscheinlich machen, dass Forderung und Eröffnungsgrund bestehen.
2.Was geschieht nach dem Antrag?
Ist der Antrag zulässig, hat das Insolvenzgericht den Schuldner zu hören.3 Das ist Ihre Gelegenheit, Stellung zu nehmen: ob die Forderung besteht, ob Sie zahlungsfähig sind, ob es Zahlungsvereinbarungen gibt. Eine sachliche, belegte Stellungnahme ist wichtiger als eine schnelle.
Das Gericht hat alle Maßnahmen zu treffen, die bis zur Entscheidung eine nachteilige Veränderung des Vermögens verhüten, etwa einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellen oder ein Verfügungsverbot erlassen.4 Oft beauftragt es einen Sachverständigen, der prüft, ob ein Eröffnungsgrund vorliegt und ob die Kosten gedeckt sind.
Wird die Forderung nach Antragstellung erfüllt, wird der Antrag dadurch nicht allein unzulässig.5 Das Gericht prüft dann weiter, ob ein Eröffnungsgrund vorliegt. Wird der Antrag als unbegründet abgewiesen, trägt der Schuldner die Kosten, wenn er die Forderung erst nach dem Antrag bezahlt hat.6 Eine Zahlung allein beendet das Verfahren also nicht sicher.
3.Warum ist ein eigener Antrag oft besser?
Für Privatpersonen und Selbstständige ist ein Gläubigerantrag oft der Moment, selbst zu handeln. Denn die Restschuldbefreiung setzt einen eigenen Antrag des Schuldners voraus. Wird er nicht mit einem eigenen Eröffnungsantrag verbunden, ist er innerhalb von zwei Wochen nach dem Hinweis des Gerichts zu stellen.7 Wer diese Frist verpasst, verliert womöglich die Chance auf den Neuanfang in diesem Verfahren.
Im Verbraucherverfahren gibt das Gericht dem Schuldner vor der Entscheidung Gelegenheit, ebenfalls einen Antrag zu stellen. Tut er das, muss er zunächst eine außergerichtliche Einigung versuchen.8 Wer selbständig tätig ist, kann mit einem eigenen Antrag zugleich die Fortführung und die Freigabe seiner Tätigkeit vorbereiten.
Für Geschäftsleiter einer GmbH, einer Aktiengesellschaft oder einer anderen juristischen Person gilt etwas anderes. Ein Gläubigerantrag ersetzt die eigene Antragspflicht nicht. Liegt Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung vor, muss die Geschäftsleitung selbst den Antrag stellen.9
Ob ein Gläubiger gegen Sie persönlich, gegen Ihr Geschäft oder gegen Ihre Gesellschaft Antrag gestellt hat: Im kostenfreien Erstgespräch klären wir gemeinsam, wie Sie in der Anhörung Stellung nehmen, welche Fristen laufen und ob ein eigener Antrag sinnvoll ist.
Markus LiberaRechtsanwaltFachanwalt für Insolvenzrecht
und Sanierungsrecht
Diplom-Kaufmann
4.So geht es weiter
Diese Schritte helfen nach dem Brief des Gerichts.
- Datum notieren: Wann wurde der Antrag zugestellt, und welche Frist nennt das Gericht?
- Forderung prüfen: Besteht die Forderung, in welcher Höhe, und gibt es Einwände?
- Stellung nehmen: In der Anhörung sachlich und mit Belegen antworten.
- Eigenen Antrag erwägen: Bei Privatpersonen und Selbstständigen mit Antrag auf Restschuldbefreiung und Stundung.
- Als Geschäftsleiter handeln: Die eigene Antragspflicht prüfen und erfüllen.
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